Die Renaissance des Baustoffes Holz

Der Werkstoff Holz erlebt gerade eine Renaissance, altbewährtes wird neu entdeckt und mit moderner Technik entstehen innovative Bauwerke und Kunstwerke am Bau.
Wer sich mit dem Gedanken trägt ein Bauwerk aus Holz zu errichten der sollte sich im ersten Schritt mit dem Werkstoff bekannt machen.
Am besten in der sogenannten Ebersberger Xylothek der Technischen Universität München. Wer den Bibliothekssaal betritt denkt zunächst sich in der Türe geirrt zu haben. In den altehrwürdigen Räumlichkeiten steht Buchrücken an Buchrücken. Aber dann stellt die Nase fest, es riecht nicht nach Büchern, ein unbekannter Geruch liegt im Raum, ein Geruch den die Nase nicht zuordnen kann.
Denn die Bücher sind keine Bücher sondern eine der weltweit bedeutendsten Sammlung an Hölzern und Sträuchern.
Der Ebersberger Benediktinermönch Candid Huber hat die Holzmuster in Buchform bereits im 18. Jahrhundert angelegt. Die Buchrücken sind aus der Rinde des Baumes gefertigt, beim Öffnen der Scheinbücher finden sich Blüten, Blätter, Nadeln und Früchte. Ein wunderbarer Geruch entströmt jeden der Hölzer, auch noch nach so langer Zeit. Auch Wurzeln, Schädlinge und Pollen sind in der Sammlung konserviert. Die Holzsammlung umfasst ca. 10.000 Exemplare und neben den bekannten Holzsorten auch sämtliche Tropenhölzer. Hier können Holzarten erlebt werden die bereits durch Raubbau des Holzeinschlages ausgerottet wurden. Beim Institut kann Jedermann eine genetische Analyse eines Holzes in Auftrag geben und die Herkunft des Holzes genau bestimmen lassen. Zur Zeit des Art Deko und in der Anfangsphase der Entwicklung Bauhaus wurde besondere und meist exotische Hölzer mit einer neuen Formensprache im Möbelbau verwendet. Wer solch ein Möbel heute verkaufen will tut gut daran die Herkunft lückenlos nachweisen zu können.
Nach diesem ersten sinnlichen Zusammentreffen mit dem Werkstoff Holz wird man einem Baumriesen in der Natur mit Respekt begegnen. Es wird ein „must-have“ auslösen, egal ob es ich um ein handgefertigtes Möbelstück, einen Dielenboden oder ein hölzernes Bauwerk handelt, das Stück Holz wird eine Faszination ausüben. Es hat gelebt, ist über einen langen Zeitraum gewachsen, hat den Stürmen und den Wintern getrotzt um schließlich in einer Werkstatt verarbeitet zu werden.
Wer bedenkt wie lange ein Baum wächst und welch wichtiges Bindeglied er im ökologischen Gleichgewicht des Waldes darstellt, der sollte die Entscheidung für den Werkstoff Holz ganz bewusst treffen.
Der weltweite Schwund der Wälder nimmt dramatische Formen an. Der illegale Anbau von Soja im Amazonas fügt dem Wald irreversibel Wunden zu. Aber auch in Europa verschwinden über Jahrhunderte gewachsene Wälder. Das kleine Land Albanien hat einen Deal mit China gemacht: für den dringend benötigten Straßenbau dürfen die Chinesen die Ältesten Buchenbestände Europas abholzen. Schnell waren die Containerdörfer errichtet und mit chinesischen Arbeitern, die ihre Lebensmittel aus China importieren, ging der Straßenbau deutlich langsamer voran als der Holzeinschlag.
Die Erosionsschäden in einem derart bergigen Land wie Albanien haben nicht lange auf sich warten lassen. So hat sich im kleinen Land Albanien eine nie dagewesene Umweltschutzbewegung gegründet. David hat Goliath zum Straßenbau gerufen und nun eine Korrektur eingeleitet. Es bleibt zu hoffen, dass andere Länder aus diesen Fehlern lernen.

Über Jahrhunderte wurde ein Raubbau an den europäischen Wäldern betrieben. Als der Werkstoff Beton und Stahlbeton in den 1880 Jahren das Bauen revolutionierte erlebte das Bauen mit Holz seinen Niedergang. Holz war zu Verschalungsholz degradiert. Aber in vielen älteren Betonbauwerken kann man heute noch in der Schalungshaut die Maserungen und Astlöcher des Schalungsholzes bewundern. Eine stille Auflehnung des Holzes gegen das Betonbauwerk.
Beton ist ein Baustoff der bei seiner Herstellung eine gewaltig schlechte CO2 Bilanz hat und zu einer weltweiten Verknappung von Sand in den Abbaugebieten geführt hat.
Holz hat gegenüber dem konventionellen Bauen eine ganze Reihe von positiven Eigenschaften und dass macht es gerade wieder so begehrt.
Diese Begehrlichkeit hat eine ganz neue und innovative Form des Umgangs mit Bauen mit Holz hervorgebracht und bei dem auch Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Heute werden mit mordernster Digital- und Lasertechnik Kunstwerke aus Holz erschaffen.
Ein besonders schönes Beispiel ist der Forstpavillon der für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd gefertigt wurde. Er ist in Zusammenarbeit der Universität Stuttgart und der müllerblaustein Bauwerke GmbH im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „Robotik im Holzbau“ entstanden. Die 243 Puzzle-Teile, die dem Pavillon seine Formvollendung gegeben haben, wurden aus Buchenholz gefertigt. Der Zuschnitt erfolgte vom Drehteller aus über einen Roboter auf Grundlage von digitalen Konstruktionszeichnungen.
Entstanden ist ein Bauwerk das sich von außen perfekt in die Landschaft einfügt und einem im Inneren mit Stauen und sinnlicher Geborgenheit umfängt.
Ein deutlich größeres Projekt hat Dipl. Ing. Klaus Landerl für den Neubau der Firmenzentrale „Grüne Erde“ im Almtal in Bezirk Gmunden in Oberösterreich entwickelt.
Jahrelang war die alte Küchenfabrik leer gestanden und die Natur hat sie bereits umwuchert.
Zurückhaltend und mit viel Fingerspitzengefühl wurde daher die Firmenzentrale in die urbane Landschaft eingebettet. Es ist keine Firmenzentrale im üblichen Sinne wie die Größe der Anlage vermuten lässt, sondern es ist eine Symbiose mit dem vorhandenen Lebensraum. Wer hierher kommt um ein neues Möbelstück oder eine handgefertigte Matratze aus der Schlafwelt zu erwerben der ist schnell entschleunigt. Auf dem großen Gelände kann man einen Blick in die Schauwerkstätten werden und sich von der handwerklichen Herstellung der Produkte überzeugen.
Der gesamte Neubau ist ein konsequent ökologisches Projekt, angefangen von völlig schadstoff-freien Baustoffen bis hin zur Verarbeitung von heimischen Holz. Auch die Außenanlagen sind Teil des ökologischen Konzeptes, es wurden auf dem weitläufigen Gelände etwa 500 Bäume und 700 Sträucher ausschließlich heimischer Sorten angepflanzt. Die vormals angrenzenden Monokulturen sind Obstgärten, Blumenwiesen und Gemüsefelder geworden.
Das Großprojekt von Bauen mit Holz war eine Herausforderung an alle Beteiligten, aber die Mühen haben sich gelohnt. Der Besuch ist eine besondere Begegnung mit dem Baustoff Holz im Einklang mit der sie umgebenden Bergwelt.
Ein besonders attraktives Holzbauwerk im Bereich Logistikhalle hat die Firma Kaufmann Bausysteme aus Reuthe im österreichischen Vorarlberg für den Bio Lebensmittelhändler Alnatura in Hessen errichtet.
Die moderne Logistikhalle wurde 2014 mit einer Grundfläche von 20.000 m² errichtet und später um weitere 9.000 m² erweitert. Die hölzerne Fassade schmiegt sich gekonnter Unauffälligkeit in die Landschaft ein. Auch das geschulte Auge des Projektentwicklers kann aufgrund der Fassadengestaltung das wahre Ausmaß der Logistikhalle nicht richtig erfassen.
Diese Halle wurde auch im Bereich der Hochregallager komplett auf Holz gefertigt. Wenn der Stahlpreis für die Hochregallager hoch ist dann wird der Werkstoff Holz attraktiver. Freilich liegt der Preis für eine solche Halle höher als beim klassischen Hallenbau, aber in Zeiten des Fachkräftemangels zahlt sich ein ökologisch wertvoll errichtetes Gebäudes, das zudem über einen freundlichen Platz in der Kantine mit Ausblick verfügt für den Arbeitgeber aus.
Bei unseren niederländischen Nachbarn gibt es seit Langem eine Ästhetikkommission die bei Baugesuchen für die Optik zuständig ist. In Zeiten des schnellen Internethandels werden zukünftig Lager- und Umschlaghallen wieder vermehrt in die Ballungsräume ziehen müssen. Das wird die Diskussion über die Gestaltung der Gewerbegebiete mit ästhetisch wertvollen Hallenflächen beflügeln. Derzeit ist der Bau von höherwertigen Gewerbebauten in Holz eher noch eine Randerscheinung, in der Projektentwicklung steht man aber bereits mit vielen Innovationen bereit.

Forstpavilllon

Müller-Blaustein Bildrechte Roland Halbe/Stuttgart